Managementkommentar Januar 2021

Stürme!

Am Nachmittag des 6. Januar 2021 stürmten Anhänger des damaligen Präsidenten Donald Trump das Parlament der Vereinigten Staaten von Amerika. Ziel war es die formale Bestätigung der Präsidentschaftswahl zu verhindern.  Das amerikanische Kapitol steht stellvertretend für Freiheit und Demokratie. Dieser Angriff führte zu einem weltweiten Aufschrei. Das Ansehen der USA ist international nachhaltig beschädigt. Besonders traurig, sieben Menschen haben diesen verantwortungslosen Angriff mit dem Leben bezahlt. Die Bilder werden symbolhaft als Angriff auf die Demokratie bestehen bleiben. Auf die jetzige Regierung wartet eine große Aufgabe:  Vertrauen, Integrität und Sicherheit zurückzugewinnen.

Gamestop oder Gameover?

Neben der Bedrohung der Demokratie geraten auch die Kapitalmärkte unter Druck. Die sozialen Medien machen virtuelle  Bündnisse von Kleinanlegern möglich. Sie nehmen gezielt professionelle Hedgefonds mit hohen Positionen in leerverkauften Aktien (Aktien, die sie sich geliehen haben) von z.B. dem Unternehmen Gamestop, einen stationären Spieleverleiher, ins Visier. Wenn viele Marktteilnehmer unlimitiert kaufen, steigen Aktien. Der Effekt, dass die leerverkauften Aktien unter immens hohen Verlusten zurückgekauft werden, führt zu einem Turbo der Preissteigerung. Die Hedgefonds müssen extern gestützt werden.

Der Sinn der Finanzmärkte wird dadurch ad absurdum geführt. In erster Linie stellen die Aktienmärkte einen Marktplatz für Eigenkapital dar. Innovationen, Ideen und Geschäftsmodelle werden dadurch gefördert und finanziert. Anleger erhalten hier die Möglichkeit am Wachstum der Unternehmen und der Volkswirtschaft im Allgemeinen teilzunehmen. Sie können dort ihr Vermögen in unternehmerisches Kapital veranlagen, auch wenn sie selbst keine Unternehmer sind.

Die Auswüchse, die wir jetzt sehen, haben damit aber nichts zu tun. Die Auswirkungen der Ereignisse auf die Finanzmärkte, die dadurch ausgelöst wurden, lassen sich per heute noch nicht überblicken. Es braucht bessere Regeln und womöglich Einschränkungen bei der gängigen Praxis der Leerverkäufe. Denn gerade in Amerika fußt ein großer Teil der Altersversorgung auf Aktienportfolios. Finanzmärkte brauchen das Vertrauen, dass alles mit rechten Dingen zugeht.  Die Geschehnisse um Gamestop können damit auch zum Gameover für beide Seiten werden. Die Finanzmärkte sind kein Spielplatz für Gamer, sondern ein wichtiger Bestandteil für Wahrung und Förderung des Wohlstands.

Mayerhofer Strategie im Januar 2021

Nach einem ausgezeichneten Jahrgang 2020 mit einem Plus von 13,7 % ließ sich zunächst auch das neue Jahr gut an. Gegen Ende Januar begann der Markt die herrschende Euphorie zu korrigieren. Das gute und ausdauernde Momentum des letzten Jahres nahm an Stärke und Dynamik ab. Die bisherigen Favoriten aus dem Bereich erneuerbare Energien mussten Abschläge hinnehmen, wie auch Aktien der Sektoren Versicherungen, Freizeit und Reisen, Lebensmittel und alltägliche Gebrauchsgüter. Die Gewinnerliste führen wieder Aktien aus dem Sektor Technologie und der Telekommunikation an.

Im Sondervermögen fanden folgende Dispositionen statt: Teilgewinne wurden nach starken Anstiegen bei Akasol, Neste, Orsted, Verbund, Sinch und Vivendi mitgenommen. Gänzlich abgegeben wurden: Rockwool, Novozymes und Heidelberg Pharma.

Neu ins Portfolio fanden Titel wie Commerzbank, Sartorius, Iwatani, Powercell und Shop Apotheke. Gegen Ende des Monats wurde ein Teil des Portfolios durch den Verkauf von Terminkontrakten auf den EuroStoxx 50 abgesichert. Die Nettoaktienquote reduzierte sich damit auf 59%.

Wir gehen heute von einer temporären Korrektur aus bis neue Impulse für eine Wiederaufnahme des Aufwärtstrends sorgen.

Stefan Mayerhofer, 01.02.2021