Managementkommentar Februar 2018

Die GroKo der Sorglosigkeit an den Finanzmärkten hat im Februar 2018 erste Risse erhalten.

Seit dem vierten Quartal des Jahres 2016 verzeichnete die Partei der Bullen an den europäischen Märkten einen beschleunigten Mitgliederzuwachs. Dahinter stand die feste, fast zementierte Überzeugung eines starken Aufwärtstrends – getragen von hervorragenden Unternehmensmeldungen und insgesamt guten Aussichten für die Wirtschaft. Ohne Euphorie, aber zunehmend sorglos, entwickelten sich die Preise für europäische Aktien auf ein neues Allzeithoch im Januar.

Dieser Trend scheint gestoppt. Im Februar gaben die Aktien relativ schnell auf breiter Front um über 8% in nur 13 Tagen nach – ganz im Schlepptau der maßgebenden amerikanischen Finanzmärkte. Die bis dato fast eingeschlafene Volatilität verdreifachte ihren Wert und ist derzeit der wohl klarste Beleg für die erhöhte Nervosität der Marktteilnehmer. Die Gründe dafür mögen vielfältig sein. Tatsache aber bleibt, dass die Käufer nur zu wesentlich tieferen Preisen bereit waren Material aufzunehmen.

An dieser Stelle hilft ein nüchterner Blick in die Historie: In jeder Marktphase umkreisen und begleiten so genannte Meta-Themen, Entwicklungen und Geschichten das aktuelle Geschehen – wie z.B. das amerikanische Handelsdefizit in den achtziger Jahren, der Ölpreis in den Neunzigern, die Konvergenz der Zinsen in Europa im neuen Jahrtausend, die drohende weltweite Deflation seit der Finanzkrise 2007/2008 und – als umstrittene Gegenmaßnahme – die Flutung der Finanzmärkte mit Liquidität seitens der Notenbanken.

Auch zur Bewertung der jetzigen Situation an den Finanzmärkten braucht es eine Antwort auf folgende übergeordnete Fragestellung: Folgt nun auf das Regime der Deflation ein neues Regime der Inflation? Wir meinen, dass dies wahrscheinlich ist und eintritt, wenn die Notenbanken ihre gesetzten Ziele erreichen. Im Gegensatz zur Politik brauchen Regimewechsel an den internationalen Finanzmärkten aber Zeit und Raum. Neue Überzeugungen und neue Parteien müssen sich erst bilden und ihre jeweiligen Anhänger finden. Das dauert und bringt Unsicherheit. In dieser Phase befinden wir uns gerade. Ob das der Beginn vom Ende der Erholung von 2008 ist, wissen wir heute noch nicht.